Wieviel heile Welt braucht ein Kinderbuch?

Realität vs. Heile Welt

Eine grundsätzliche Frage treibt mich um. Sie wurde mir quasi aufgedrängt. Wie realitätsnah darf oder soll ein Kinderbuch sein? Ich rede hier nicht von einem Bilderbuch und auch nicht von einem Erstlesebuch. Ich rede von einem Buch, das für Kinder ab 10 geschrieben wurde, mit Tendenz zu elf- bis zwölfjährigen. Müssen die Eltern da optimal handeln? Maximal verständnisvoll sein? Oder ist es okay, wenn sie eben ihre Beschränkungen haben? Wie viel heile Welt ist nötig oder sinnvoll?

Darf eine Zwölfjährige ihr etwas durchgeknalltes Pony fragen, ob es spinnt? Oder ist das zu respektlos und frech dem Tier gegenüber? Ich meine klar, die Anfängerfehler verleiten das Pony, es kann nichts dafür in dem Sinne.

Und die Mobberin, die ihr das Leben schwer macht. Wie schlimm muss sie eins auf den Deckel kriegen am Ende?

Nele gibt nicht auf, Kinderbuch, Jugendbuch zum Klappentext

Worauf kommt es an?

Ich bin ein wenig verstört, ehrlich gesagt. Für mich ist es wichtig, dass jeder so behandelt wird, dass am Ende alle miteinander leben und klarkommen können. Dass jemand, der eh schon zu wenig Selbstwertgefühl hat (und dies über Mobbing „aufpoliert“) nicht noch gedemütigt wird sondern wachsen kann. Dass Gott nicht als was-weiß-ich-was massiv eingreift, sondern die Dinge so geschehen, wie sie auch im wirklichen Leben passieren könnten. Dass Eltern eben auch nur Menschen sind und manchmal ganz andere Prioritäten setzen als ihre Kinder – und sie trotzdem liebhaben und keine Rabeneltern sind.

(K)Eine himmlische Instantlösung

Ich möchte meinen fast-jugendlichen Lesern nicht vorgaukeln, dass es einen himmlischen Wunscherfüller gibt. Ich möchte ihnen nicht vorgaukeln, dass Gebet quasi auf Knopfdruck in der äußeren Welt Veränderungen schafft. Für mein Verständnis kommt es darauf an, selber zu wachsen, mit Gott in Beziehung zu kommen, zu reifen. Und das ist kein leichter Weg. Viele Erwachsene scheitern daran. Vielleicht, weil sie der Illusion aufgesessen sind, dass es einfach sein müsste? Dass Gott die Dinge zack-zack regelt (und wenn nicht, dann gibt es ihn eben nicht oder er interessiert sich doch nicht für mich, sonst würde er ja …)? Dass die Möglichkeit der Veränderung außerhalb ihrer selbst liegt? Wenige Menschen haben die Möglichkeit, etwas an ihren Umständen zu ändern. Und Kinder – auch wenn sie schon in der 7. Klasse sind – noch viel weniger. Meine Familie prägt mich, mein Glaube prägt mich, meine Schule, meine Freunde etc. Deshalb stehen meine Helden mit beiden Beinen im normalen Leben. Deshalb haben sie Eltern, die auch mal suboptimal reagieren. Die vielleicht sogar richtige „Macken“ haben.

Immerhin – Gesprächsfördernd

Meine „ungnädigen“ Rezensentinnen kamen immerhin zu dem Schluss, dass mein Buch zwar zu wenig heile Welt und drastische Lösungen parat hielt, meine arme Heldin viel zu lange und zu stark leiden musste, sich zu lange niemandem wirklich anvertraut hat, aber – das waren die Stellen, über die sie mit ihrem Kind ins Gespräch gekommen sind.

Ich bin gespannt, wie andere Eltern (und ihre Kinder zwischen 10 und 13) das sehen. Wie stark darf ein Held für diese Altersgruppe leiden? Und macht es einen Unterschied, ob der Held – wie Harry Potter oder Percy Jackson – explizit in einer Fantasiewelt angesiedelt ist? Muss der Gegner möglichst gründlich besiegt werden oder kann ein Kind in diesem Alter es aushalten, wenn ein Gleichgewicht hergestellt wird, mit dem auch der Gegner weiterleben kann?

 

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Ein Kommentar zu “Wieviel heile Welt braucht ein Kinderbuch?
  1. Andreas Leibold sagt:

    Hallo Juliane,
    was deine heile Welt Frage betrifft, ist sie schwer zu beantworten. Harry Potter, flüchtet aus einer absolut nicht heilen Welt und Familie in eine magische. Und die ist um einiges besser als sein zuhause.
    Aber es gibt ein Kinderbuch das einige deiner Fragen beantworten kann. „Lui in der Draußenwelt“ von Ivonne Richter. Er verläßt fluchtartig um einen Freund wiederzufinden eine auf den ersten Blick perfekte Welt. Hochtechnisiert, perfekt organisiert, blitzblank. Aber auch streng kontrolliert. Und diejenigen die die Welt kontrollieren, tun alles um ihn zurück zu holen. Um ihn in aller Öffentlichkeit zu bestrafen. Als Warnung.

    Kurz gesagt: er findet seinen Freund, ein neues zuhause und eine neue Lebensgemeinschaft. Und ich warte auch auf das zweite Buch denn die Feinde geben so schnell nicht auf. (Es sind drei Bücher geplant)

    Es ist lesenswert und zeigt was Freundschaft bedeutet. Freunde die man hat und Freunde die man dazu bekommt. Du solltest es lesen.

    Hoffentlich gibts das zweite Buch zur Buchmesse, ich hatte schon Schwierigkeiten das Erscheinen des zweiten Bandes dahin zu verlegen, seit ich es verschenkt habe.

    Gruß Andreas L.

    PS: Was auch noch interessant sein könnte zumindest um eine Leseprobe anzusehen. Luzifer Junior Zu gut für die Hölle von Jochen Till. Mit perfekten Bildern

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