Wie lang(e) dauert es noch?

Wie lang sollen meine Textstellen sein?

 

Buch, Fantasie, vorlesen, Lesung, lang

Eine immer wieder gestellte Frage ist, wie lang die ausgewählten Textstellen eigentlich sein sollen. Wir wollen die Zuhörer fesseln und dann enden, wenn sie auf jeden Fall noch mehr hören wollen! Wenn sie schon unruhig werden und in die gefürchteten Rücksitz-Fragen ausbrechen („Wie lange noch? Sind wir bald da? …“), ist es ja schon zu spät.

Als pi-mal-Daumen-Regel kannst Du davon ausgehen, dass die Hälfte bis zwei Drittel der Lesungszeit auch tatsächlich mit lesen gefüllt sein sollten. Das hängt aber von verschiedenen Faktoren ab.

Liest Du vor Kindern?

Dann ist es wichtig, sie regelmäßig mit einzubeziehen. „Engaging Questions“ – also Fragen, die sie in die Geschichte einbeziehen – helfen dabei.

  • „Wer von Euch hat denn auch schon einmal … (hier eine Sache einfügen, die ziemlich sicher jeden betrifft) erlebt?“
  • „Kennst Du das?“
  • „Was passiert wohl als nächstes?“
  • „Welches Tier magst Du denn am liebsten?“

Der Punkt dKind zuhörenabei ist, dass sich möglichst alle Kinder an der Beantwortung beteiligen können sollten. „Elitefragen“ der Art „Was machst du denn, wenn du deine Brille zerbrochen hast?“  (blödes Beispiel, ich weiß … aber das Prinzip ist hoffentlich klar) schließen zu viele Kinder aus, die sich entsprechend schnell mal anderen Dingen zuwenden und nicht mehr zuhören wollen.

 

Die „Großen“ und überhaupt

Lesung, vorlesen, Zuhören

Erwachsene und Jugendliche halten es natürlich viel besser aus, wenn sie eine Viertelstunde lang nur zuhören sollen. Das ist erfahrungsgemäß aber auch das höchste der Gefühle. Ich empfehle, nicht mehr als zwei bis drei Texte auszuwählen. Die Textstellen sollten etwa 10 bis 15 Minuten lang sein, dazwischen muss noch Zeit zum überleiten, Fragen beantworten und erzählen sein. Auch die eigene Vorstellung am Anfang muss berücksichtigt werden.

 

Ein Gesamtkonzept ist wichtig

Wenn Du weißt, wie viel Zeit Dir insgesamt zur Verfügung steht, kannst Du Dir eine Art Grundkonzept bauen. Das ist nicht starr zu verstehen, bietet aber einen zeitlichen Rahmen, an dem Du Dich orientieren kannst. Wenn 60 Minuten zur Verfügung stehen, kannst Du drei Textstellen lesen und hast noch genügend Zeit für Fragen und Erzählen mit eigenen Worten. Wenn die Lesung deutlich länger sein soll – 90 -120 Minuten – brauchst Du zum einen eine Pause, zum anderen wird es immer schwieriger, das Programm als Alleinunterhalter zu stemmen.

Nicht nur für die Zuhörer, die sich wahrscheinlich schwer tun, so lange einer einzigen Person zuzuhören, sondern auch Du – und vor allem Deine Stimme! – brauchst eine Pause zwischendrin. Nach 60 Minuten sollte also wenigstens 10 Minuten Pause sein, in der Getränke und Knabberli das hauptsächliche Interesse genießen. Du als Lesende(r) hast jetzt die Gelegenheit, Dich ein bisschen zurückzuziehen. Danach kann es dann in eine zweite Runde gehen. Günstigerweise gern mit einem „artfremden“ Beitrag vorneweg, um die Leute wieder zurückzuholen. Ein vorgetragenes Musikstück oder Lied ist nett, aber auch ein kleines Quiz oder Spiel, eine Fragerunde, oder was Dir und dem Veranstalter sonst noch so einfällt.

Du hast andere Erfahrungen gemacht? Wählst grundsätzlich mehr Textstellen aus? Weniger? Längere oder deutlich kürzere? Teile Deine Erfahrungen gern in den Kommentaren, damit wir uns gegenseitig unterstützen können!

 

Herzliche Grüße

Deine Juliane

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5 Kommentare zu “Wie lang(e) dauert es noch?
  1. Hallo, habe schon viele Lesungen in kulturellen Einrichtungen, Schulen, Cafes und auch Haftanstalten alleine oder auch mit anderen Autoren und Musikern gestalten dürfen. Eine Kombination mit Musik finde ich sehr schön. Schreibe gerne Kurzgeschichten und Gedichte und habe vor paar Monaten meinen ersten autobiographischen Roman: „In den Häusern der Irren“ veröffentlicht. Bin für alles offen.
    Lieben Gruß
    Karl

  2. Jochen Wildt sagt:

    Moin Moin.

    Ich schreibe meine Geschichten mit Kindern zusammen. Ich arbeite im Kindergarten, dort lese ich Kapitel, Textanfänge oder sowas vor und überlege dann gemeinsam mit den Kindern, was noch so in der Geschichte passieren kann.

    Meine Geschichten haben immer einen Thema, das ich aber nur im Rahmen einer Detektivgeschichte einbaue. Klimaschutz, Behinderungen und die Angst vor Fremden waren/sind meine bisherigen Themen.

    Ich veranstalte MitmachLesungen. Die Kinder sind aktiv in die Geschichte eingebunden, können Fragen beantworten, Geräusche machen, sich bewegen oder zum Schluss den ElbspürSong singen.
    Meine Lesezeit beträgt ca. 35 Minuten plus Song, Fragen, etc. Ich lese Ausschnitte aus einigen Kapiteln, die einen roten Faden behalten und spannend sind, ohne das Ende der Geschichte zu erzählen. Ich frage die Kinder immer, was für ein Ende sie sich vorstellen können. Die Bilder aus dem Buch kommen per Beamer auf eine Leindwand und werden zum Teil von passenden Geräuschen untermalt.

    Mir macht es unheimlich viel Spaß und am liebsten würde ich nur noch halbtags in der Kita arbeiten und einen festen Tag in der Woche für Lesungen zur Verfügung haben.

    Liebe Grüße,

    Jochen Wildt

    • Juliane sagt:

      Wow, das klingt toll! Meine Kinder sind auch an so manchem Fortgang einer Geschichte „schuld“, sie sind eine tolle Inspiration! Und Deine MitmachLesungen klingen toll :o) Schreibst Du die Detektivgeschichten für diese Zielgruppe? Oder dann für ältere Kinder? Und bezahlen die Kitas was für die Lesungen?

      • Jochen Wildt sagt:

        Meine Lesungen funktionieren für Kinder von 4 bis 4 (4 Jahren bis 4. Klasse) 😉
        Ursprünglich war die erste Geschichte nur für die Kita gedacht.
        Die ersten zwei Jahre habe ich Lesungen nur umsonst gemacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich gut genug bin, um eine Bezahlung zu rechtfertigen. Inzwischen lese ich nur kostenlos, wenn ich es möchte. Ausnahmen bilden öffentliche Lesungen, da kommt sonst kaum einer, dafür muss ich bekannter sein.

        Mein Honorar ist allerdings sowohl für Kitas als auch für Grundschulen sehr überschaubar.

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